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Immer schön den Abstand halten!

Ohne Abstand zu einer Problemstellung wirst du zum Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Denn ohne Abstand bist du in der Situation gefangen. Du kannst deine Perspektive nicht ändern, und damit die Lösung nicht sehen. Oder anders ausgedrückt: Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht.

In meinem Beitrag „Treffe bessere Entscheidungen!“ plädierte ich für einen Wechsel der Perspektive. Dieser ist notwendig, um neue Informationen zu gewinnen, die für die Entscheidungsfindung unerlässlich sind. Doch damit ein Perspektivwechsel überhaupt stattfinden kann, braucht es noch eine weitere wesentliche Komponente: die Rede ist von der Distanz.

Laut Duden bedeutet Distanz u.a. räumlicher Abstand, Zwischenraum, Entfernung. Mach doch mal folgendes Experiment: Gehe zur nächsten verfügbaren Wand – optimalerweise nicht in einem öffentlichen Raum oder in Anwesenheit anderer Personen – und berühre sie mit deiner Nasenspitze! Was siehst du jetzt? Wenn du nicht gerade Pinocchio heißt, wirst du die Beschaffenheit der Wandfläche sehr detailliert wahrnehmen, dann die ausgefransten Ränder deines Blickfeldes links und rechts und sonst nichts.

So, und nun ändere mal die Perspektive, ohne deine Nase von der Wand zu nehmen… Viel Spaß damit. Wenn das überhaupt ein wenig möglich ist, dann nur durch heftiges Schielen. Tja, meine Liebe, mein Lieber, du hast ganz offensichtlich ein „Brett vorm Kopf“. Du hast keine Distanz zum Objekt deiner Betrachtung. Nimm das als Metapher für die allgegenwärtige Betriebsblindheit.

Es ist sprichwörtlich: Hat man „die Distanz zu etwas verloren“, bedeutet dies, dass man kein objektives Urteil mehr über die Sache fällen kann, denn man ist ein Teil der Sache geworden. Einer Person mit der „nötigen Distanz“ traut man jedoch ein Urteil zu. Wenn Kommissar Beck von einem Fall abgezogen werden soll, weil sein Kollege und Freund Gunvald Larsson angeschossen wurde und im Koma liegt, leuchtet das jedem ein. Warum? Weil er damit zum Teil des Problems und nicht Teil der Lösung wird.

Distanzlosigkeit bedeutet, dass man nur noch einen kleinen Teil der Realität um sich herum wahrnehmen kann. Man lässt zwangsläufig zu viele Gesichtspunkte außer Acht, weil man die Perspektive einfach nicht mehr wechseln kann. Dann wird der „Wunsch zum Vater des Gedankens“. In anderen Worten: die Gedanken werden nur noch geleitet von der fixierten Idee, etwas erreichen zu „müssen“. Hier beginnt oft der Selbstbetrug. Auf der Strecke bleibt die Fähigkeit abzuwägen und den objektiv richtigen Weg zu finden. Dieses Phänomen lässt sich in allen Lebensbereichen beobachten.

Die schönste Form dieser Fixiertheit ist sicherlich das Verliebtsein. Wenn du verliebt bist, dann wirst du kein Argument gelten lassen, das den Liebsten oder die Liebste in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Es heißt ja auch: „Liebe macht blind.“ Tatsächlich ist die Anziehungskraft zum Objekt der Begierde so groß, dass du nicht mehr in der Lage bist, eine Distanz aufrechtzuerhalten. Im Englischen gibt es einen Begriff, der diesen Zustand treffend beschreibt: „to have a one-track mind“, d.h. der Verstand ist nur noch auf eine Sache gerichtet und bewegt sich nur noch entlang einer einzigen Schiene.

Eine gewisse Fixiertheit, Sturheit oder Verbissenheit ist durchaus nötig, um etwas „aus dem Boden zu stampfen“, gegen Widerstände durchzusetzen, im Detail zu betrachten, zu tüfteln, präzise unter der Lupe zu zerlegen etc. Wichtig ist nur, dass dies bewusst geschieht und dass du jederzeit in der Lage bist, einen Schritt zurückzutreten. Du darfst in diesem Kontext deine Beweglichkeit und Leichtigkeit nicht verlieren. Vielleicht kennst du das vom Kunstmaler. Auch dieser muss oft sehr Detailversessen arbeiten, betrachtet sein Werk dann aber immer wieder aus der Distanz, um den Gesamtkontext nicht außer Acht zu lassen.

Betriebsblindheit kann völlige Distanzlosigkeit bedeuten aber auch in abgeschwächter Form auftreten: Man hält dann zwar eine gewisse Distanz aufrecht, Standpunkt und Blickwinkel sind jedoch festgefahren. Damit ist sichergestellt, dass man die Dinge immer nach dem selben Muster sieht, begreift, bewertet. Ändert sich die Situation im Umfeld des Unternehmens, reagiert man oft zu spät oder gar nicht. Chancen und Risiken werden nicht vernünftig wahrgenommen.

Um Betriebsblindheit abzubauen, gibt es also zwei Stellschrauben:

  1. Trete regelmäßig einen Schritt zurück, um Distanz zu schaffen. Denn ohne Distanz gibt es keinen Raum. Und ohne Raum gibt es keine Perspektive.
  2. Verändere dann aus der Distanz heraus bewusst die eigene Position, den eigenen Blickpunkt, um das Unternehmen, die Abteilung, die Arbeit, das Produkt, den Markt etc. aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

So gewinnst du laufend neue Informationen und kannst dein Unternehmen bzw. dein Projekt auch in sich dynamisch verändernden Zeiten auf Erfolgskurs halten.

6 Kommentare

  1. Bin gerade an der Wand gestanden und habe mir die Fasern der Wand angesehen.
    Ein sehr gutes Beispiel und eine gute Anregung, mal sich wieder mit sich selbst von Außen betrachtet zu beschäftigen. Danke, Thomas.

  2. Was glaubst Du, warum ich zum Strategie-Kongress fahre. Ich bewege mich im Kreis.

    • Thomas

      Guter Hinweis! Da werde ich auch sein. Die “Strategische Auszeit” am 11. und 12. November 2016 ist empfehlenswert, um produktive Distanz und neue Perspektiven zu gewinnen. Weitere Infos gibt es unter http://www.strategie.net/strategiekongress

  3. Toll das Beispiel mit der Nase an der Wand.
    Ja, hier gibt es nur Wand, keine Türe.
    Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus. 🙂

    • Thomas

      Na ja, besser mit der Nase als mit dem Rücken zur Wand 🙂

Kommentare sind geschlossen.